SPD-Vorsitzende Hiltrud Lotze erinnert an den 23. März 1933
14. März 20080 Kommentare
<font size="2"><b>„Freiheit und Leben kann man uns nehmen – die Ehre nicht!“</b></font>
Am 23. März 1933 stimmten allein die sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten gegen Hitlers Ermächtigungsgesetz. „Wir erinnern uns heute, 75 Jahre später, mit großem Respekt an den Mut der sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten, die sich den Nationalsozialisten widersetzten, obgleich Sozialdemokraten verfolgt und verhaftet wurden", so Hiltrud Lotze. „Das Erinnern ist für uns zugleich Mahnung und Auftrag, uns im täglichen Handeln für die Demokratie einzusetzen und vor allen Dingen: den heutigen Feinden der Demokratie entschlossen entgegen zu treten.“
Am 30. Januar 1933 war Hitler zum Reichskanzler ernannt worden. Der Terror der Nationalsozialisten gegen Kommunisten und Sozialdemokraten, später auch gegen bürgerliche Kräfte, setzte ein. In der Abstimmung im Reichstag über das Ermächtigungsgesetz, mit dem alle bürgerlichen Parteien Hitler formell zum Diktator machten, bäumte sich die deutsche Sozialdemokratie unter Führung von Otto Wels als einzige politische Kraft gegen diese furchtbare Entwicklung auf.
Als das Ermächtigungsgesetz am 23. März 1933 zur Abstimmung gestellt wurde, gaben ihm Nationalsozialisten, Deutschnationale, Deutsche Volkspartei, Deutsche Staatspartei, Zentrum, Bayerische Volkspartei und die Splittergruppen ihre Zustimmung. Niemand aus diesen Reihen stimmte dagegen, keiner enthielt sich der Stimme. Allein die 94 von 120 sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten, die – von Hitlers Sturmtruppen umringt – noch an der Sitzung teilnehmen konnten, sagten bei der namentlichen Abstimmung ihr mutiges, unvergessliches „Nein“.
„Freiheit und Leben kann man uns nehmen, die Ehre nicht!“ Die Worte, mit denen der Parteivorsitzende der SPD, Otto Wels, Adolf Hitlers Ermächtigungsgesetz in seiner Rede ablehnte, waren bitterer Ernst. Als Wels gemeinsam mit den Abgeordneten der Reichstagsfraktion der SPD am 23. März 1933 den Weg zum provisorischen Tagungsort des Reichstags beschritt, passierte er ein Spalier von johlenden und drohenden SA-Männern.
Tatsächlich waren Freiheit und Leben von Sozialdemokraten im März 1933 bedroht. Otto Wels hatte wegen des Terrors der Nationalsozialisten seit Wochen nicht mehr in seinem Haus leben können. Zeitweise hatte er Deutschland verlassen müssen. Viele Sozialdemokraten, Parteiführer ebenso wie Tausende von einfachen Parteimitgliedern, endeten in Konzentrationslagern oder im Exil. So auch Otto Wels: Er starb am 16. September 1939 in Paris.
Hiltrud Lotze: „Trotz der Drohungen der Nationalsozialisten widerstanden die Sozialdemokraten als einzige Partei im Reichstag dem Ansinnen, die Demokratie in Deutschland mit einem Gesetz zu beseitigen. Dieses mutige Verhalten ist nicht unser Verdienst. Aber wir können stolz darauf sein, Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten zu sein.“
Tondokument – Ausschnitt aus der Reichstagsrede von Otto Wels am 23. März 1933 gegen das Ermächtigungsgesetz:
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