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Tag der Befreiung Foto: Christoph Reinders-Düselder

8. Mai 2021: Befreiung! - Tage der Hoffnung

„Manchmal richteten wir die Blicke zum Himmel. Gott war nicht mehr dort oben – aber trotzdem war da die Hoffnung…“
Diese schlichten, eindrücklichen Worte sind von Raul Teitelbaum überliefert, der als dreizehnjähriger Jude unsagbare Qualen im Konzentrationslager Bergen-Belsen überlebte. Mit ihm befanden sich vom Frühjahr 1943 bis zur Befreiung im April 1945 ungefähr 120.000 Deportierte in diesem KZ, zumeist Juden, Sinti, Roma. Unter all den Verschleppten waren allein in diesem Lager etwa 3.500 Kinder unter 15 Jahren, insgesamt verschleppte die SS mehrere Hunderttausend Kinder, deren Schicksale nur allzu oft in Vergessenheit geraten.


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Kurz bevor Bergen-Belsen von britischen Soldaten im April 1945 befreit wird, macht der damals elfjährige Mosche Nordheim Beobachtungen, die ihm und den vielen anderen im Lager Hoffnung geben, dass bald das Erlittene und zu Erleidende ein Ende haben würde:

„Im letzten halben Jahr sahen wir jeden Tag und jede Nacht diese Flugzeuge, die über uns flogen. Tausende. Tag und Nacht. Das hat uns sehr froh gemacht. Wir wussten, dass es nicht die Deutschen waren. Wir wussten, dass die Engländer und Amerikaner frei am Himmel über uns fliegen konnten.“

Am 15. April 1945 werden die Überlebenden des Konzentrationslagers befreit – unter ihnen schätzungsweise 800 Kinder. Diese wurden zunächst im DP Camp Belsen versorgt, einige kamen später unter dem Schutz der Briten in ein jüdisches Kinderheim nach Lüneburg. Hier hatte sich bereits im Sommer 1945 eine kleine jüdische Gemeinde gebildet, die mit Unterstützung der britisch-jüdischen Hilfsorganisation Jewish Relief Unit das Heim zunächst an der Uelzener Straße, später im Mönchsgarten betrieb.

Es waren zunächst zahlreiche jüdische Kinder aus Berlin, die hier Erholung von unsäglichen Strapazen fanden, seit dem Sommer 1946 eben jene Kinder aus Bergen-Belsen. Sie lernten, wieder Kinder zu sein, so wie Janet Beasley, die als Jutta Ina Grybski Bergen-Belsen überlebte: „…wir waren frei und brauchten keine Angst mehr vor irgendjemand zu haben.“

Sie, die überlebten, mögen ein Beleg dafür sein, dass die „Botschaft an die Toten“, die der zehnjährige Peter Kest im Februar 1945 im Lager verfasst hatte, Gehör gefunden hat: „(…) Wir bitten Euch, die ihr dort oben im Himmel seid, tretet vor Gott (…) und bittet ihn, er möge es genug sein lassen mit den irdischen Qualen.“

Allen, denen Freiheit und Demokratie wichtig sind, muss es Verpflichtung sein, die Schicksale dieser Kinder und all der anderen in den Konzentrationslagern des nationalsozialistischen Terrors nicht dem Vergessen zu überlassen. Hierzu leistet die Ausstellung der Gedenkstätte Bergen-Belsen über die „Kinder im KZ“ einen wertvollen Beitrag. Sie ist bis Mitte August im Museum Lüneburg zu sehen.

Es ist wichtig, etwas zu tun – ansonsten wäre das erlittene Leid eben dieser Kinder vergebens!

Befreiung – Tage der Hoffnung!

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