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Antikriegstag Barlach Denkmal Foto: Commons.wikimedia

1. September 2020: Gedanken zum Antikriegstag 2020

„Denkzeichen“ gegen den Krieg: Ernst Barlach und sein immerwährendes „Denkmal des Krieges im Dom zu Magdeburg“ (in Anlehnung an Joachim Garstecki, Stimmen der Zeit, 2014).
Dieses Mahnmal steht in seiner Ausdrucksstärke und seinen Aussagen in voller Übereinstimmung mit allen sozialdemokratischen Grundwerten.
Als Ernst Barlach zum Totensonntag 1929 das „Magdeburger Ehrenmal“ gegen hinhaltende Proteste und Widerstände probeweise im Dom zu Magdeburg in einer Nische des nördlichen Seitenschiffes aufstellte, hatte er sich vom einst verirrten Kriegsbegeisterten des Sommers 1914 zu einem engagierten Friedenspädagogen gewandelt: Kunst als Friedensarbeit, Kunstwerke als Provokationen zum Frieden.
Mit dem „Magdeburger Ehrenmal“ schuf er ein Werk von intensivster Eindringlichkeit, das Gültigkeit über die Zeiten hinweg beanspruchen kann: Kein „Krieger-Denkmal“, von denen so viele existieren, sondern ein „Denkzeichen“ gegen den Krieg, ein Anti-Kriegs-Denkmal, fernab aller Verherrlichung gefallener Kriegshelden, eine provozierende Mahnung zur Arbeit am Frieden, in die Zukunft gewandt und immerwährend aktuell.

Das dominante Kreuz in der Mitte mit den Jahreszahlen 1914 bis 1918 – hier könnten auch jene von 1939 und 1945, von 1870/1871 oder sonst irgendwelche Kriegsdaten ihren Platz finden – hält die sechs Figuren als Teilnehmer des gemeinsamen Kriegsgeschehens zusammen. „Ein zusammengedrängtes Häuflein Kämpfer über einem Gräberfeld. Da sind Tote, Niedergebrochene und Standhaltende.“ (E.B.)

All das bedeutet Krieg, all dies zeigt das Mahnmal, das Joachim Garstecki so beschreibt: Oben in der Mitte, am Kopf verwundet: der Wissende, sich der Sinnlosigkeit bewusst Werdende, jegliche Illusion dahin – gleichsam Sinnbild für die gescheiterte Idee, geopferte Hoffnung und schuldhafte Verantwortung. Links der schon ältere deutsche Landser, dumpf verschlossen, den Stahlhelm tief ins Gesicht gedrückt – der Typ des Kriegserfahrenen, gefangen in soldatischem Gehorsam und nichts begreifend. Rechts der Naive, der Typus des ahnungslosen und selbstgefällig dumm wirkenden Kriegsfreiwilligen, der die Schrecknisse des Krieges noch nicht kennt, Neuling in dieser Welt voller Ungeheuerlichkeiten.

In enger Verbindung mit ihnen die unteren Halbfiguren. Sie stehen als „Not, Tod und Verzweiflung“ (E. B.) für die erschreckliche Kehrseite, für die unmittelbaren, unvermeidbaren Folgen jedes Krieges. Links die Not: eine Trauernde, ohnmächtig unter einem Tuch mit zusammengepressten Fäusten als Ausdruck höchster Not, vor der sie sich verbirgt, weil ihr Anblick nicht auszuhalten ist. In der Mitte der „in sich versunkene weinende Tod“ (Ilona Laudan), eine skelettierte Figur unter dem viel zu großen, ins Gesicht gerutschten Stahlhelm, die knochigen Skelett-Hände übereinander gelegt – Sinnbild des Massensterbens auf den Kriegsschauplätzen. Dann die Verzweiflung: Entsetzen über das Gesehene und Geschehene, geschlossene Augen, die Hände an den Kopf gepresst angesichts des Unfassbaren ein Gefühl aus Entsetzen, Schrecken, tiefer Ratlosigkeit.

All dies demonstriert Barlach in diesem „Ehrenmal“ zu Magdeburg, all das bedeutet Krieg und Mahnung gleichermaßen, beansprucht Gültigkeit allerorten. Und auch liegt hierin ein Appell, eine visionäre Hoffnung zum gelingenden Frieden. Daran zu arbeiten ist sozialdemokratische Verpflichtung – gemeinsam und im Respekt vor den Eigenheiten des Andersseins im Sinne von Humanität, Gerechtigkeit und Friedfertigkeit.

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